Wissgrillgasse: Innovative Sanierung von Gründerzeitgebäuden
ein erstes Modellprojekt zeigt den Weg.
Im Schnitt liegt die Energiekennzahl in einem Jahrhundertwende-Gebäude zwischen 120 und 180 kWh/m2, was der Energieeffizienzklasse D bzw. E entspricht. Die fehlende Außendämmung der Ziegelmauern trägt es maßgeblich zu diesem Wert bei.
Die thermische Qualität der Gebäudehülle zu verbessern und damit den Energiebedarf für Heizwärme zu senken, war daher oberste Priorität im Demonstrations-Projekt Wißgrillgasse. Erreicht wurde das einerseits durch den Einsatz von Fenstern mit 3-fach-Wärmeschutzverglasung. Andererseits, indem der Dämmstandard aller Außenbauteile erhöht wurde. Um ein Wärmeverbundystem von 12 cm Stärke an der Fassade aufzubringen, musste der Putz samt den historischen Zierelementen abgetragen werden. Das historische Erscheinungsbild des Gebäudes konnte dennoch erhalten bleiben, indem die Zierelemente der Fassade aufwändig nachgebildet wurden.
Eine besondere Herausforderung bei der thermischen Sanierung stellen Feuermauern dar, da die Dämmung einer Feuermauer direkt an der Grundstücksgrenze die Zustimmung des Nachbarn erfordert. Beim Projekt Wissgrillgasse, bei dem die Feuermauern einen Anteil an freistehenden Außenwänden von 32 Prozent aufweisen, wurden dazu spezielle nachbarschaftliche Vereinbarungen ausgearbeitet, sodass sogar bei diesem hohen Anteil alle Feuermauern gedämmt werden konnten.
Zusätzlich zur hohen thermischen Verbesserung der Gebäudehülle konnten die Lüftungswärmeverluste stark reduziert werden, indem eine dezentrale Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert wurde.
Die kontrollierte Wohnraumbelüftung sorgt zusätzlich für den hygienisch erforderlichen Luftwechsel im Raum, vermeidet Feuchteschäden und reduziert die Lärmbelastung der Westbahntrasse in unmittelbarer Nähe.
Über das Projekt „Gründerzeit mit Zukunft“:
Das Projekt „Gründerzeit mit Zukunft“ läuft bis 2014 und wird im Rahmen des Forschungs- und Technologieprogramms Haus der Zukunft Plus des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert. Darüber hinaus wird das Projekt von der Stadt Wien aktiv unterstützt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von innovativen Sanierungslösungen, die modellhaft für Gründerzeithäuser angewendet werden können.
Haus der Zukunft plus ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMVIT von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT abgewickelt.

